Kurzinformation Indologie

Gegenstand

Die Indologie befaßt sich mit der Gesamtheit des indoasiatischen Kulturraums, mit allen kulturellen Erscheinungsformen, die sich ausgehend von Südasien über ganz Asien verbreitet haben. Prägend und nachhaltig hat Indien (mit seinen heutigen südasiatischen Nachbarstaaten Sri Lanka, Pakistan, Bangla Desh und den Himalayaländern) ausgestrahlt nach Iran, Afghanistan, Tibet, Zentralasien, China, Japan und Südostasien. In der Gegenwart sehen wir, wie sich indische Sprachen, Literaturen und Religionen weltweit verbreiten.

Die Indologie erfaßt diesen komplexen Kulturmischungsprozess in seiner historischen Dimension, ausgehend von der Überlegung, daß wir durch die Antike die Moderne besser verstehen, daß umgekehrt aber auch die Anschauung der Gegenwart ein tieferes Verständnis des Altertums ermöglicht.

Ausgangspunkt des Indologiestudiums ist das Erlernen von mindestens drei Sprachen, und zwar jeweils eine aus den drei Sprachperioden Altindisch (mit dem klassischen Sanskrit als Zentrum), Mittelindisch (in erster Linie Pali) und Neuindisch (Hindi/Urdu als die verbreitetste Sprache, Singhalesisch). Nur auf der Grundlage fundierter Sprachkenntnisse ist eine tiefere Durchdringung der indologischen Kernfächer möglich, vor allem der Religionsgeschichte und Literaturwissenschaft. Zu den wichtigsten, mit den Methoden der Philologie zu erschließenden Quellen gehören hier die religiöse Literatur von Hinduismus und Buddhismus, aber auch die weltliche Literatur der Antike und die Belletristik der Gegenwart. Im Verlauf des Indologiestudiums lernt man indische Literatur über einen Zeitraum von 3500 Jahren von den Opferhymnen des Rigveda über die Lehrreden des Buddha bis zur modernen Kurzgeschichte im Original zu lesen und interpretierend in größere Zusammenhänge einzuordnen.

Schwerpunkte, auch über die genannten Kernthemen der Indologie hinaus, werden in Mainz auf den folgenden Gebieten gesetzt: Hindi-Literatur der Gegenwart, Sprachgeographie von Karakorum und Hindukusch, Singhalesische Sprache und Literatur, Buddhismuskunde unter besonderer Berücksichtigung des Buddhistischen Chinesisch und Tibetisch, vergleichende Märchen- und Legendenforschung.

Aus der ständig wachsenden weltpolitischen Relevanz des indoasiatischen Raums resultiert für die Indologie die Notwendigkeit, über die Universität hinaus in die Gesellschaft zu wirken, um das steigende Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zu befriedigen. Dem wird durch das Angebot allgemeinverständlicher Einführungs- und Ringvorlesungen (Buddhismus, Hinduismus; Studium generale) und fächerübergreifender Seminare Rechnung getragen.

Die Indologie gehört also nicht etwa zu den “kleinen Fächern”, sie ist vielmehr wegen der Vielfalt und immensen Breite ihrer Gegenstände eine der ganz großen und besonders anspruchsvollen Disziplinen. Sie ist auch kein exotisches Fach, — dies wäre eine eurozentrische Wertung, die in heutiger Wissenschaftsperspektive obsolet geworden ist. Schon gar nicht gehört die Indologie zu den Luxus- oder gar Orchideenfächern, vielmehr ist sie durch ihre Aktualität für Politik und Gesellschaft unentbehrlich.

Informationen der Fachschaft, hier
(von Studenten - für Studenten)